Beim VW Tiguan 1.4 TSI mit 150 PS fällt mir immer wieder dieselbe Situation auf: Auf dem Papier sieht der Verbrauch durchaus vernünftig aus, im Alltag stehen auf der Anzeige dann aber schnell andere Zahlen. Besonders bei einem SUV mit relativ hohem Aufbau überrascht das viele Käufer erst nach den ersten Wochen. Wer den Tiguan überwiegend in der Stadt bewegt, erlebt einen anderen Verbrauch als jemand, der täglich 40 Kilometer über Land fährt.
Genau deshalb würde ich die Frage nach dem Verbrauch nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Der 1.4 TSI ist grundsätzlich kein besonders durstiger Motor, aber er reagiert ziemlich deutlich auf Fahrprofil, Geschwindigkeit und Beladung. Zwischen einem entspannten Pendlerbetrieb und vielen kurzen Stadtfahrten können mehrere Liter pro 100 Kilometer liegen. Und gerade diese Unterschiede sind beim Gebrauchtwagenkauf interessanter als irgendein idealisierter Laborwert.
Was beim Tiguan 1.4 TSI mit 150 PS im Alltag tatsächlich herauskommt
Der 1.4 TSI mit 150 PS gehört zu den Motorisierungen, bei denen sich ein realistischer Alltagsverbrauch meist irgendwo im Bereich von etwa 7 bis 8,5 Litern Super auf 100 Kilometer einpendelt. Das ist für einen Tiguan dieser Generation aus meiner Sicht eine vernünftige Größenordnung. Wer sehr ruhig fährt und viel Landstraße nutzt, kann darunter bleiben. Wer dagegen hauptsächlich kurze Strecken fährt oder regelmäßig schneller auf der Autobahn unterwegs ist, landet auch bei 9 Litern und mehr.
Die oft genannte Verbrauchszahl aus technischen Daten sollte man deshalb eher als Orientierung betrachten. Sie hilft beim Vergleich verschiedener Fahrzeuge, sagt aber wenig darüber aus, was nach drei Monaten täglicher Nutzung tatsächlich an der Tankstelle passiert. Besonders bei älteren Prüfverfahren sind die offiziellen Werte nur eingeschränkt mit heutigen Alltagsbedingungen vergleichbar.
Interessant wird es bei einem gemischten Fahrprofil. Nehmen wir einen Tiguan, der morgens zehn Kilometer durch den Stadtverkehr fährt, danach auf einer Bundesstraße unterwegs ist und am Wochenende gelegentlich eine längere Strecke zurücklegt. Unter solchen Bedingungen halte ich rund 7,5 bis 8,0 l/100 km für einen durchaus plausiblen Wert. Dabei sollte man allerdings nicht erwarten, dass jede einzelne Tankfüllung exakt dort landet.
Warum die ersten Kilometer oft einen falschen Eindruck vermitteln
Ein Punkt wird beim Verbrauch gerne unterschätzt: Kurzstrecken. Der 1.4 TSI braucht, wie jeder Benziner, nach einem Kaltstart eine gewisse Zeit, bis Motor und Öl auf Temperatur sind. Wer morgens zwei oder drei Kilometer zum Bäcker, zur Schule oder zum Bahnhof fährt und danach wieder abstellt, produziert auf der Verbrauchsanzeige schnell Werte, die mit einem normalen Langstreckenbetrieb kaum vergleichbar sind.
Bei solchen Fahrten können 10 Liter und mehr kurzfristig völlig normal sein. Das bedeutet nicht, dass der Motor plötzlich zum Säufer geworden ist. Die Strecke ist schlicht zu kurz, um den anfänglichen Mehrverbrauch auszugleichen. Bei einer längeren Fahrt sinkt die Durchschnittsanzeige dann wieder deutlich.
Ich würde deshalb nie nach einer einzelnen Fahrt beurteilen, ob ein Tiguan sparsam ist. Aussagekräftiger sind mehrere Tankfüllungen. Am besten notiert man Kilometerstand und getankte Liter und rechnet den Verbrauch selbst aus. Die Bordcomputer sind praktisch, können aber je nach Fahrzeug und Fahrbedingungen etwas von der tatsächlichen Menge abweichen.
Stadtverkehr: Hier zeigt der Tiguan sein Gewicht
In der Stadt merkt man am deutlichsten, dass man keinen kleinen Golf mit diesem Motor fährt. Der Tiguan ist höher, schwerer und hat eine größere Stirnfläche. Beim Anfahren muss entsprechend mehr Masse bewegt werden. Dazu kommen Ampeln, Stop-and-go, kalte Motoren und häufiges Beschleunigen.
Bei einem überwiegend innerstädtischen Einsatz würde ich deshalb eher mit 8,5 bis 10 l/100 km rechnen als mit sieben Litern. Bei sehr kurzen Strecken oder dichtem Verkehr kann die Anzeige zeitweise noch darüber liegen. Das ist besonders dann relevant, wenn jemand den Tiguan wegen seines vergleichsweise sparsamen 1.4-TSI-Motors gekauft hat und eigentlich nur im Stadtverkehr unterwegs ist.
Anders sieht es aus, wenn die Stadtfahrt regelmäßig mit einer längeren Strecke verbunden wird. Nach einigen Kilometern mit konstantem Tempo normalisiert sich der Verbrauch. Ein Pendler, der erst durch die Stadt fährt und anschließend 25 Kilometer Landstraße zurücklegt, wird deshalb einen deutlich besseren Durchschnitt sehen als jemand, der ausschließlich innerstädtisch unterwegs ist.
Landstraße ist die Paradedisziplin des 150-PS-Turbobenziners
Auf der Landstraße kann der 1.4 TSI seine Stärken ziemlich gut ausspielen. Bei konstantem Tempo und vorausschauender Fahrweise muss der Motor nicht ständig hohe Leistung liefern. Gerade bei ungefähr 70 bis 100 km/h wirkt der Tiguan erstaunlich genügsam.
Bei ruhiger Fahrweise sind etwa 6 bis 7 Liter pro 100 Kilometer durchaus erreichbar. Das setzt allerdings voraus, dass die Strecke nicht aus ständigem Beschleunigen und Abbremsen besteht. Wer vor jeder Kurve spät bremst und danach wieder kräftig aufs Gas geht, wird auch auf der Landstraße schnell einen deutlich höheren Durchschnitt produzieren.
Hier macht sich außerdem der Zustand des Fahrzeugs bemerkbar. Reifen mit falschem Luftdruck, eine Dachbox oder unnötig schwere Gegenstände im Kofferraum wirken sich zwar nicht dramatisch auf einer einzelnen Fahrt aus, über mehrere tausend Kilometer summieren sich solche Kleinigkeiten aber durchaus.
Auf der Autobahn entscheidet vor allem das Tempo
Beim Autobahnverbrauch wird der Tiguan besonders empfindlich. Bis ungefähr 100 oder 110 km/h bleibt der Verbrauch noch relativ moderat. Danach steigt der Luftwiderstand spürbar an. Wer konstant 130 km/h fährt, kann noch mit einem vernünftigen Wert unterwegs sein. Bei 150 oder 160 km/h verändert sich das Bild deutlich.
Für längere Autobahnfahrten mit etwa 120 bis 130 km/h würde ich einen Bereich von rund 7 bis 8 Litern als realistisch ansehen, abhängig von Strecke, Wind, Reifen und Beladung. Bei höherem Tempo sind 8,5 bis 10 Liter keineswegs ungewöhnlich. Wer häufig mit 160 km/h oder schneller fährt, sollte sich daher nicht an niedrigen Testwerten orientieren.
Das ist kein spezielles Problem des 1.4 TSDer Punkt liegt eher in der Karosserieform. Ein SUV muss gegen deutlich mehr Luft anarbeiten als ein flacher Kompaktwagen. Deshalb bringt es auch wenig, den Verbrauch des Tiguan direkt mit einem ähnlich motorisierten Golf zu vergleichen.
Schaltgetriebe, DSG und das konkrete Fahrzeug
Beim Tiguan spielt außerdem die Kombination aus Motor und Getriebe eine Rolle. Ein gut abgestimmtes Getriebe hält den Motor häufig in einem günstigen Drehzahlbereich, während häufiges manuelles Zurückschalten oder hektisches Beschleunigen den Verbrauch nach oben treiben kann.
Beim DSG kommt hinzu, dass der persönliche Fahrstil viel ausmacht. Wer sanft beschleunigt und das Getriebe arbeiten lässt, kann sehr entspannt unterwegs sein. Wer dagegen ständig kräftig Gas gibt und schnelle Zwischenspurts provoziert, wird die Vorteile des Automatikbetriebs beim Verbrauch kaum nutzen.
Auch der technische Zustand darf nicht unter den Tisch fallen. Ein Fahrzeug mit verschlissenen Zündkerzen, Problemen an der Gemischaufbereitung oder nicht optimal arbeitenden Sensoren kann deutlich mehr verbrauchen, ohne dass der Fahrer sofort einen offensichtlichen Defekt bemerkt. Deshalb würde ich einen ungewöhnlich hohen Verbrauch nicht einfach als „normal für den Tiguan“ abtun.
Ein realistischer Blick auf verschiedene Fahrprofile
Wer wissen möchte, welche Zahl für das eigene Fahrzeug relevant ist, kann den Alltag grob in typische Szenarien einteilen. Dabei geht es weniger um theoretische Bestwerte als um eine Einschätzung, mit der man bei der Tankplanung tatsächlich etwas anfangen kann.
- Überwiegend Stadt und Kurzstrecke: ungefähr 8,5 bis 10 l/100 km, bei sehr ungünstigen Bedingungen auch darüber.
- Gemischter Alltag mit Stadt, Landstraße und gelegentlicher Autobahn: meist etwa 7 bis 8,5 l/100 km.
- Ruhige Landstraße und längere Strecken: ungefähr 6 bis 7 l/100 km sind bei passender Fahrweise möglich.
- Autobahn mit etwa 120 bis 130 km/h: häufig etwa 7 bis 8 l/100 km.
- Schnelle Autobahnfahrt: je nach Tempo und Bedingungen eher 8,5 bis 10 l/100 km oder mehr.
Der Unterschied zwischen Bordcomputer und echtem Tankverbrauch
Wenn ich einen Gebrauchtwagen beurteilen würde, wäre mir die Zahl an der Tankstelle wichtiger als die Anzeige im Kombiinstrument. Der Bordcomputer ist hervorragend, um Veränderungen zu erkennen. Für eine belastbare Verbrauchsangabe würde ich aber immer mehrere Tankfüllungen miteinander vergleichen.
Die einfachste Methode ist eigentlich langweilig, aber zuverlässig: volltanken, Kilometerstand notieren, normal fahren und beim nächsten Volltanken die nachgefüllte Menge durch die gefahrenen Kilometer teilen. Nach drei oder vier Tankfüllungen entsteht ein wesentlich besseres Bild als nach einer einzigen Fahrt.
Gerade beim Tiguan können einzelne Tankfüllungen stark voneinander abweichen. Ein Wochenende mit 500 Kilometern Autobahn und anschließendem Stadtverkehr sieht völlig anders aus als zwei Wochen mit kurzen Fahrten. Ein Durchschnitt von beispielsweise 7,8 Litern bedeutet deshalb nicht, dass jede Fahrt mit 7,8 Litern endet.
Was ich beim Kauf eines gebrauchten Tiguan 1.4 TSI prüfen würde
Wenn ein gebrauchter Tiguan mit 150 PS auffällig wenig verbraucht, würde ich mich darüber freuen, aber nicht sofort daraus auf einen außergewöhnlich guten Motor schließen. Entscheidend ist das Fahrprofil des Vorbesitzers. Ein Langstreckenfahrzeug kann einen sehr guten Durchschnitt zeigen, obwohl es technisch nicht besser ist als ein Fahrzeug, das überwiegend in der Stadt bewegt wurde.
Umgekehrt wäre ein dauerhaft sehr hoher Verbrauch ein Grund, genauer hinzusehen. Reifen, Luftdruck, Bremsen, Wartungszustand und Fahrweise sollten zuerst geprüft werden. Auch die Frage, ob der Wagen regelmäßig beladen oder mit Anhänger bewegt wurde, gehört dazu. Ein einzelner hoher Verbrauchswert ist noch kein Beweis für ein Problem.
Was mir bei solchen Fahrzeugen wichtiger erscheint als ein spektakulär niedriger Bestwert, ist ein stabiler Verbrauch über mehrere tausend Kilometer. Ein Tiguan, der im normalen Alltag zuverlässig um acht Liter liegt, ist aus meiner Sicht interessanter als ein Exemplar, bei dem der Verkäufer stolz von 6,2 Litern erzählt, diese Zahl aber nur bei einer einzigen gemütlichen Landstraßenfahrt entstanden ist.
Die Zahl an der Zapfsäule erzählt nur einen Teil der Geschichte
Beim VW Tiguan 1.4 TSI mit 150 PS würde ich daher nicht mit der Erwartung an die Sache herangehen, dauerhaft einen bestimmten Idealwert zu erreichen. Ein realistischer Alltagsschnitt von ungefähr 7 bis 8,5 Litern ist für viele Fahrer eine vernünftige Orientierung. Wer hauptsächlich Stadt fährt, sollte mehr einplanen, während ein ruhiger Landstraßenfahrer deutlich darunter kommen kann.
Am Ende ist der Verbrauch beim Tiguan weniger eine feste Eigenschaft des Motors als eine Art Spiegel des eigenen Alltags. Dasselbe Auto kann beim einen Besitzer sparsam laufen und beim anderen regelmäßig neun Liter oder mehr benötigen, ohne dass einer von beiden etwas falsch macht. Genau deshalb würde ich beim Kauf nicht nach der niedrigsten Zahl suchen, sondern danach, ob das Fahrzeug zu den eigenen Strecken passt.
Wenn nach einigen Wochen an der Tankstelle immer wieder eine ähnliche Zahl auftaucht, hat man schließlich den interessanteren Wert gefunden: nicht den Verbrauch des Prospekts und auch nicht den Bestwert aus einer Testfahrt, sondern den tatsächlichen Verbrauch des eigenen Tiguan. Und genau der ist letztlich entscheidend dafür, ob man mit dem 1.4 TSI im Alltag zufrieden ist.
Fot. Magnific (https://www.magnific.com)
